Eine Welt, die ganz die unsere ist

Der Raum im Funkhaus heißt Salon Sendepause. Eine Pause gab es am Dienstagabend aber nicht. Rund vierzig Gäste waren da – Familie, Freunde, Unternehmer –, und es ging vom ersten Satz an zur Sache. Begonnen habe ich unter einer Stehlampe mit weißem Schirm, mit den drei Zeilen, mit denen auch das Buch beginnt:
Wir kommen nicht in eine fertige Welt.
Wir kommen in eine Welt, die ganz die unsere ist
und wachsen in eine Welt der Anderen hinein.
Neben mir saß Gerald Matt. Er hat den Abend moderiert und das Buch lektoriert. 2004 haben wir in der Kunsthalle Wien gemeinsam „Virtual Frame“ entwickelt, ein interaktives Museum am Mobiltelefon. Er war damals Direktor der Kunsthalle, ich Berater beim Telekombetreiber. Jetzt hat er mein Buch genau gelesen und gegen das Licht gehalten.

Unter vielen Fragen wollte Gerald auch wissen, was der Titel „Vereinfache und vertraue“ eigentlich meint. Vereinfachen heißt für mich, wegzulassen, was nicht meins ist. Vertrauen heißt, nicht alles kontrollieren zu müssen. Das eine geht ohne das andere nicht: Wer nicht vertrauen kann, lässt auch nicht wirklich los.
Gelesen habe ich zwei Stellen. Die erste führt achtzig Meter unter die Erde, in meine Zeit mit der Smaragdmine in Brasilien. Die zweite handelt von der goldenen Karotte: der Belohnung, die immer nah genug ist, um uns anzutreiben, und immer gerade so weit weg, dass wir ihr nachlaufen müssen.
Noch ein Stück mehr leisten, dann wird es leichter. Wir tun, um zu haben, und hoffen, dadurch endlich jemand zu sein: Tun–Haben–Sein. Am Abend ist man müde und hat trotzdem das Gefühl, nicht genug geschafft zu haben.
Das Buch dreht diese Reihenfolge um: Sein–Tun–Haben. Am Anfang steht der innere Ort, aus dem heraus wir handeln. Daraus entsteht ein Tun, das stimmig ist, und ein Haben, das keinen Mangel mehr ausgleichen muss. Im Gespräch mit Gerald sind wir von dort direkt bei der Führung gelandet:
Wer aus seinem Sein führt, muss niemandem etwas beweisen.
Eine Frage aus dem Publikum ist mir geblieben: Wie ist das mit den Zielen gemeint – soll man keine mehr haben? Ich habe mein Leben nicht geplant. Ziele sind nicht schlecht, aber wer nur eng definierten Zielen folgt, übersieht, was sich am Weg zeigt. Längerfristige Ziele sind für mich eher ein Gefühl, eine Vision: Wie wird es sein, wenn ich dort angekommen bin? Ich gebe mir eine Richtung und vertraue darauf, dass sich die Schritte zeigen.
Gefragt wurde auch: Wo fängt man an, wo beginnt der Weg zu sich selbst? Mit dem tiefen Wunsch, sein Leben mit mehr Leichtigkeit zu leben. Und dann mit kleinen Schritten. Sich stets hinterfragen: Ist das wirklich meins? Und wer noch nicht spürt, was seins ist, kann die Frage umdrehen: Was belastet mich? Was macht mir Bauchweh? Der Körper weiß das oft früher als der Kopf.
Dann wollten einige noch eine Stelle hören, die nicht auf dem Programm stand. Ich habe den Epilog gelesen. Er handelt davon, was sich im Ganzen verändert, wenn viele Einzelne klarer, bewusster werden. Danach konnte jeder sein Buch signieren lassen, und das habe ich mit Freude getan.
Danke an Gerald, an alle, die da waren, und an das Funkhaus.
Meinen letzten Satz an diesem Abend gebe ich hier gern weiter: Vereinfache und vertraue. Wenn dieser Satz Sie ein Stück begleitet, hat das Buch seine Aufgabe erfüllt.
Herzlich
Roger
P.S. „Vereinfache und vertraue – Führen und leben – aus deinem Sein“ als Print und E-Book, alle Bezugsquellen: www.keenverlag.at



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