Was übrig bleibt
- Roger Kühne
- 29. Juni
- 1 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 30. Juni

Ein Unternehmer aus Vorarlberg, solider Handwerksbetrieb, hat letztes Jahr sein Unternehmen halbiert. Zwölf Leute auf sechs. Drei Geschäftsbereiche auf einen. Die Hälfte seiner Kunden abgegeben — freiwillig.
Sein Steuerberater war entsetzt. Sein Umfeld und Familie ratlos. Er selbst? Schläft zum ersten Mal seit Jahren durch.
Ich erlebe das immer häufiger. Menschen, die anfangen zu hinterfragen, die aufhören, immer mehr aufzubauen. Und anfangen, Dinge loszulassen. Nicht aus Erschöpfung. Aus einer inneren Klarheit heraus, die sich nicht begründen lässt, aber stimmig ist.
Was passiert, wenn man das Unwesentliche weglässt?
Die meisten fürchten: Das Umfeld sieht das Versagen. Es bleibt zu wenig übrig. Es wird eng. Aber fast immer passiert das Gegenteil. Es wird ruhiger. Die Entscheidungen werden leichter. Die Energie geht dahin, wo sie hingehört. Und irgendwann wird sichtbar: Das meiste, was man mitgeschleppt hat, war nicht Substanz. Es war Gewohnheit und fremde Erwartung.
Wir wissen das eigentlich alle. Jeder, der schon mal einen Keller oder eine Wohnung ausgeräumt hat, kennt dieses Gefühl danach. Leichter. Klarer. Aufgeräumt. Aber wenn es um die Firma geht, um die Rolle, um die eigene Bedeutung, da räumen wir nicht auf. Da halten wir fest, weil wir glauben, dass mehr auch mehr wert ist.
Ist es meistens nicht.
Der Vorarlberger hat heute ein kleineres Unternehmen und ein größeres Leben. Sein Steuerberater hat sich inzwischen damit abgefunden.
Sein vor Tun. Klarheit vor Strategie.
Roger Kühne



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